Begonnen hat alles mit einer Feststellung von Prof. Dr.- Ing. Günther Schuh, Inhaber des Lehrstuhls für Produktionssystematik an der RWTH Aachen: „Wir brauchen ein preisgünstiges E-Fahrzeug. Denn die Menschen sind nicht bereit, für E-Mobilität mehr zu bezahlen, als sie es für herkömmliche Fahrzeuge gewohnt sind.“
Damit war ausgesprochen, was schon länger im Markt spürbar ist: Die Nachfrage für bezahlbare Mobilität steigt. Für Elektro-Autos wollen die Fahrer nicht mehr sondern weniger Geld ausgeben, als für ein vergleichbares Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Grund dafür ist die kleinere Reichweite und Komforteinbußen hinsichtlich der Klimatisierung im Fahrzeug.
Der Preis könnte sich somit als größte Innovationsbremse für Elektromobilität erweisen.
Soweit wollte es Professor Dr.-Ing. Achim Kampker, Geschäftsführer der Streetscooter GmbH nicht kommen lassen. Er sollte die Entwicklung für ein bezahlbares Elektrofahrzeug auf den Weg bringen – und setzte sich ehrgeizige Ziele: „Das Auto soll nicht nur bezahlbar sondern auch nachhaltig sein.“
Sein Gedanke: Hoher Preis, geringe Reichweite - warum nicht im Umkehrschluss gleich ein günstiges E-Fahrzeug für Kurzstrecken konstruieren? Für den „Nahverkehr“, der ohnehin am häufigsten vorkommt?
Aber wie und mit wem könnte so ein Elektroauto produziert werden?
Die Antwort war schnell gefunden: Gemeinsam mit mittelständischen Zuliefererbetrieben und großen Konzernen, die bei diesem Projekt zeigen, was sie anders machen können!
Die Unternehmen waren schnell überzeugt, elf von ihnen stiegen gleich als Gesellschafter ein.
Eine privatwirtschaftlich organisierte Forschungs-Initiative war gegründet, um das Unmögliche zu schaffen: ein nachhaltiges und zugleich kostengünstiges Elektrofahrzeug.
Der Name für das Unternehmen lag sozusagen auf der Straße: StreetScooter (Straßenroller) GmbH. Ein schnelles, flexibles und wendiges Gefährt passte als Allegorie für das Vorhaben, gemeinsam etwas Neues zu bewegen.
Wie das funktionieren sollte? Ganz einfach – das Elektroauto wurde in seine einzelnen Konstruktionsteile zerlegt -und zu jeder Baugruppe eine „Lead Enginereering Group“ zugeordnet. Jede Gruppe arbeitet in einem virtuell vorgegebenen Lösungsraum an den Entwicklungen- so fügt sich ein Teil an das andere, ohne das große Ganze aus dem Blick zu verlieren.
Im Mai 2011 war es soweit. Das Projekt hatte Formen angenommen und die Öffentlichkeit konnte auf der „Erlebniswelt Mobilität“ in Aachen zum ersten Mal sehen, wie das Elektroauto mit dem wegweisenden Name „Concept Zeitgeist“ aussieht. Die Konzeptphase war damit zunächst abgeschlossen und die Konstruktion konnte beginnen.
Im September 2011 ist auch diese Konstruktions-Phase beendet.
Pünktlich zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt zeigt die Streetscooter GmbH mit dem Fahrzeug „StreetScooter“ den ersten Prototypen. Doch das ist nicht alles. Denn wir haben nicht nur das Auto komplett zu Ende gedacht sondern auch die Nutzung. „Concept Zeitgeist“ ist mehr als ein Auto: Es ist ein ganzheitliches Mobilitätskonzept, das völlig neue Nutzungsmöglichkeiten eröffnet.