Bis zum Jahr 2020 plant der globale Logistikdienstleister Deutsche Post DHL, Bonn, seine CO2-Effizienz gegenüber 2007 um 30 % zu verbessern. Das im Konzept „GoGreen“ konkret gesetzte Klimaschutzziel will der Konzern unter anderem durch eine effizientere Steuerung der Verkehrsströme, die Modernisierung der Transportflotte und die Nutzung erneuerbarer Energiequellen erreichen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Entwicklung von Fahrzeugen mit alternativen Antriebskonzepten.
„Die Deutsche Post DHL fördert in zahlreichen Projekten aktiv die Forschung und Entwicklung alternativer Antriebe und nutzt bereits entsprechende Fahrzeuge verschiedener Automobilhersteller, erklärte Joachim Wessels, Mitglied des Post-Bereichsvorstands Brief gegenüber den VDI nachrichten. Aktuell seien in dem Unternehmensbereich rund 60 Elektrofahrzeuge in Betrieb.
Gemeinsam mit der Aachener StreetScooter GmbH entwickelt die Deutsche Post DHL darüber hinaus zur Zeit ein weiteres – speziell für die Brief- und Paketzustellung konzipiertes – Elektroauto. Dieses Fahrzeug, das auf der bereits bestehenden „StreetScooter-Plattform“ basiert, soll vor allem den Ansprüchen des Logistikdienstleisters hinsichtlich Alltagstauglichkeit und Wirtschaftlichkeit entsprechen. „Ein Zustellfahrzeug muss täglich bis zu 200 Stopp- und Anfahrvorgänge bewältigen und bis zu 300 Tage im Jahr zuverlässig im Einsatz sein“, formulierte Wessels seine Hauptanforderungen an die zu entwickelnden elektromobilen Zustellfahrzeuge. Zusätzlich sei ein genügend großes Ladevolumen und eine ergonomisch ausgereifte Ausstattung gewünscht, die allen Sicherheitsanforderungen genügt.
Die besonderen Ansprüche an ein E-Fahrzeug für die urbane Postzustellung werden nach Ansicht von Prof. Achim Kampker, Geschäftsführer der StreetScooter GmbH, von den bislang auf dem Markt vorhandenen Elektrofahrzeugen jedoch nur zum Teil erfüllt. Vor allem in der Produktion seien die aktuellen Elektroantriebe noch nicht wirtschaftlich genug. Da das speziell für die Deutsche Post konzipierte Fahrzeug keine hohen Geschwindigkeiten fahren müsse und zudem nur auf Kurzstrecken eingesetzt werden soll, reiche eine geringe Batteriekapazität aus. „Dadurch erhöht sich die Zuladekapazität und die Produktionskosten werden deutlich gesenkt”, so der Wissenschaftler.
Den Schlüssel für den Markterfolg von Elektrofahrzeugen sieht Kamper in deren wirtschaftlicher Produzierbarkeit. „Durch die parallele Entwicklung von Fahrzeug und Produktionsprozessen zeigen wir auf, mit welchen Methoden E-Fahrzeuge kostengünstig und damit für den Verbraucher zu erschwinglichen Preisen gefertigt werden können“, so der Wissenschaftler. Denn schließlich würden 80 % der anfallenden Produktionskosten bereits in der Produktentwicklungsphase festgelegt. Für das auf die Bedürfnisse des Logistikdienstleisters zugeschnittene Elektrofahrzeug wird momentan in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Post ein Fahrzeugkonzept erstellt, auf dessen Grundlage der Bau eines Prototyps geplant ist. Dieser soll laut Kamper im Herbst während der Messe Nutzfahrzeug IAA in Hannover vorgestellt werden.
Quelle: VDI Nachrichten